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Interview mit

Thomas Guschelbauer von 

 

 

Thomas, Backwater sind zurück, wie kommt's ? 

Nach langer Zeit, ohne in einer Band mitgewirkt zu haben kam 2007 der Tag an dem Achim (Bassist in den 80ern) mich anrief und wörtlich sagte: „Ich habe einen Proberaum – bist du dabei“? Ich habe spontan Ja gesagt. So haben wir dann tatsächlich längere Zeit nur zu Zweit im Proberaum Songs gebastelt. Achim war mittlerweile vom Bass auf die Gitarre umgestiegen und das Ganze Klang eher wie eine Mischung aus Rock, Rock’n Roll, Punk und Metal. Der Grund hierfür war, dass Achim eigentlich Boogie/Rock’n Roll spielen wollte und ich aber nach wie vor der härteren Gangart treu geblieben bin. Deshalb trennten wir uns dann nach einiger Zeit wieder. Ich war daraufhin aber wieder total „heiß“ mit einer Band ordentlich die Soundkeule zu schwingen. Anfangs noch ohne Plan und konkretes Ziel – es sollte einfach Spaß machen und vollkommen stressfrei sein. Ab 2009 begann ich mit der  Suche nach geeigneten Musikern! Als das Line-up stand hatten wir trotzdem eigentlich noch  keinen Plan oder irgendwelche Ambitionen wieder mit einer CD auf der Bildfläche zu erscheinen. Allerdings zeigte sich nach und nach, dass die Songs, welche dabei zustande kamen einfach viel zu gut waren, um diese in einem Proberaum zu verstecken! So suchte ich abermals nach einem Deal, um das Material zu veröffentlichen. Es hat sich eben quasi automatisch so entwickelt – es steckte tatsächlich kein konkreter Plan dahinter ein „Comeback“ zu starten! :-) In erster Linie war der Spaß am Musikmachen der Hauptgrund.

Du bist ja das einzig verbliebene Ur-Mitglied. Früher als Trio seid ihr jetzt gar zu fünft. Wie hast du die Jungs gefunden? Deren Vorgänger-Bands sind ja nicht wirklich richtig bekannt....

 Miguel (Bass) ist der Band eigentlich schon sehr lange verbunden. In den 80ern als „Fan"  und nach dem Ausstieg von Achim 1989 konnte ich ihn für uns als Bassist gewinnen! So habe ich natürlich bei der „Neuformierung“ auch wieder zuerst an ihn gedacht, und glücklicherweise hatte er sofort Lust auf eine Neuauflage von BACKWATER.

  Die anderen Mitmusiker habe ich tatsächlich auf dem klassischen Weg über Anzeigen in diversen Internet-Portalen gesucht auch gefunden! Das hat zwar nach einigen Wechseln des Schlagzeugers und einer langen Suche nach einem geeigneten, zweiten Gitarristen lange gedauert, aber wie man hört hat es sich gelohnt! Steffen (Schlagzeug) und Lothar (Gitarre) waren dann genau das „Richtige“ für BACKWATER! Die Suche nach einem Sänger war am schwierigsten! Wir haben diverse Kandidaten angecheckt – obwohl der eine oder andere gar nicht so schlecht war und gute Ideen mitbrachte, waren wir nicht wirklich zufrieden! Gerade beim Gesang wollte ich keine Kompromisse eingehen! Zum Glück gab oder gibt es da einen Oliver Hirsch, welcher schon vor Jahren mit Lothar (Gitarre) bei DIZZYRE zusammen gespielt hat. Da er zu der Zeit noch bei der Band AUDIONAUT das Mikro bedient hat, war es für ihn nicht so einfach diese Band zu verlassen und bei uns einzusteigen. Aber er hat sich dann doch für uns entschieden und ist, wie wir alle sehr glücklich mit dieser Entscheidung! Es spielte für mich keine Rolle, ob die Jungs aus irgendwelchen bekannten Bands heraus stammten – BACKWATER war ja auch nicht gerade eine Größe ;-)

 

 

Neu ist auch, daß ihr nun mit zwei Gitarristen arbeitet. War dies eine bewußte Entscheidung oder hat sich dies einfach so ergeben ?

Nachdem ich im Vorfeld schon den einen oder anderen Song geschrieben hatte, war für mich klar, dass diese Songs nur mit Zwei Gitarren richtig funktionieren würden! Zudem hat man beim Songwriting tatsächlich viel mehr Möglichkeiten. Zwei Gitarren produzieren natürlich auch ein noch größeres Brett!

Mit „Take Extreme Forms“ haut ihr eine neues Album raus. Wann nahm die Idee einer neuen Scheibe konkrete Formen an ? Immerhin ist der letzte Release schon weit über 20 Jahre her...

 Als die jetzige Band-Besetzung perfekt war hatten wir uns vor Allem vorgenommen Spaß am Musikmachen zu haben. Kein Stress, den einen oder anderen Gig spielen und fertig!

Wenn man aber schon Alben veröffentlicht hat und im Ansatz erfahren hat, was es für ein Gefühl ist Reaktionen von Menschen aus allen möglichen Ecken der Welt zu bekommen ist es gar nicht so einfach ohne weiterführende Ambitionen Musik zu machen! Da die neuen Songs zumindest unserer Meinung nach wirklich verdammt gut gelungen waren, dauerte es nicht lange bis wir Anfang 2012 beschlossen ins Studio zu gehen um das Material zu recorden! Selbst zu dem Zeitpunkt war aber noch nicht klar, dass daraus ein Album werden sollte, welches später über ein Record Label veröffentlicht wird. Als wir im Juni 2012 auf dem HEAVY METAL OVERKILL Festival zum ersten Mal wieder live spielten und mit dem neuen Material voll und ganz überzeugen konnten war der Entschluss ein neues Album aufzunehmen und zu veröffentlichen dann schnell gefasst!

Das neue Album transportiert meiner Meinung nach recht gut den Spirit der alten Backwater in die heutige Zeit. Nicht zuletzt auch wegen eurem Sänger Olli Hirsch....der passt wie die Faust aufs Auge, oder ? 

Vollkommen richtig, ganz meine Meinung! Zum Einen sollte es ein Sänger sein, welcher schön dreckig rüberkommt, aber er sollte auch was draufhaben! Als ich die ersten Gesangsspuren im Studio gehört habe war ich wirklich happy! Olli’s Stimme passt optimal zu unserem Sound! Der Aspekt, den alten BACKWATER Spirit in unser neues Ding zu transportieren war dabei eher ein Nebenprodukt  Trotzdem werden natürlich selbst nach so einer langen Zeit von Außen immer Vergleiche zu den vorherigen Releases hergestellt.

Mit den Jahren verändert sich die Art und Weise des Songwritings (bei mir zumindest!).

Ich wöllte auf keinen Fall die alten BACKWATER wieder zum Leben erwecken, weil das einfach nicht mehr in mir steckt! Außerdem konnte das nur damals so mit Achim und Cossi klingen! Was ich sagen will ist, dass man durch Einflüsse und Lebenserfahrungen nicht an einem Punkt stehenbleibt und das musikalische Schaffen dadurch ebenfalls beeinflusst wird. Ich schreibe Songs nicht nach einem Plan oder vorgefertigten Raster, sondern vollkommen aus dem Bauch heraus! Und dabei ist es mir erst mal scheißegal, ob das jetzt nach Thrash-, Speed-, Power- oder Was-auch-immer-Metal klingt. Hauptsache es ist hart, dreckig und laut! Wie man aber bei „Take Extreme Forms“ hört, kann man seine musikalischen Wurzeln nicht abschütteln. Was ja auch gut ist!

 

 

Früher waren es Disaster Records, jetzt Iron Shield. Sind die Labels in etwa vergleichbar, oder worin liegt der Unterschied von damals zu jetzt ?

 Disaster und Iron Shield Records sind beide Indie-Labels aber mit dem Unterschied, dass man heutzutage besser „vernetzt“ ist. Das heißt, Iron Shield hat viel bessere Möglichkeiten auf dem Markt zu agieren! Iron Shield arbeitet z.B. eng mit Pure Steel Records zusammen, welche über ein noch besseres Netzwerk verfügen und so Sparten, wie Medienbemusterung, Promotion, etc. für Iron Shield abdecken. Im Zeitalter des Internets ist das viel einfacher und effektiver geworden! Damals hat man per Post korrespondiert, es war alles langsamer und manche Dinge waren gar nicht möglich im Vergleich zu heute! Dafür gibt es heutzutage viel mehr Labels und damit auch mehr Konkurrenz. Was wieder dazu führt, das die meisten Labels für ihre Künstler kein Geld mehr ausgeben wollen oder können! Früher war es durchaus noch üblich, dass bei einem Platten-Deal quasi die ganze Produktion eines Albums vom Label bezahlt wurde. Heutzutage musst du als Band fast immer in Vorleistung gehen und froh sei, wenn du die Kosten des Studios durch CD-Verkäufe wieder reinholst! Es werden sogar Deals gehandelt, bei welchen du als Band deine eigene CD vom Label kaufen musst! Und das, obwohl man die Studio-Kosten schon selbst bezahlt hat! Das ist keine schöne Entwicklung, aber irgendwie trotzdem nachvollziehbar! Deswegen sind wir mit Iron Shield Records jedenfalls sehr zufrieden, weil man hier keinen Bullshit versprochen hat und man den Möglichkeiten entsprechend noch fair gegenüber den Bands ist!

Das Album Cover des neuen Albums weist Parallelen zu „Revelation“ auf. Quasi, eine Rundum-Erneuerung. Eine Verknüpfung der alten Zeit mit der Gegenwart, würde ich es nennen. Stimmst du zu oder welche Message soll uns das Album sonst noch vermitteln ? 

Wir haben uns für unser altes Logo entschieden um vorneweg klarzumachen, dass es sich mit mir als Gründungsmitglied um die deutschen BACKWATER der 80er handelt. Nicht irgendeine neue Band, die sich eben auch Backwater nennt! Außerdem gefällt uns unser Logo auch heute noch sehr gut! Das Cover sollte aber auch rüberbringen, dass da etwas Neues am Start ist! „Revelation“ war unser Debut-Album. „Take Extreme Forms“ ist zwar das dritte Album aber irgendwie auch das erste der neuen BACKWATER!

Ihr werdet gerne in die Speed-/Thrashmetal Schublade gesteckt. Tatsächlich sind auch auf dem neuen Album einige rasante Abfahrten zu verzeichnen. Mit welcher Bezeichnung könntest du am besten leben ? 

Wir scheren uns eigentlich nicht um irgendwelche Schubladen oder Begrifflichkeiten! Unser Platten-Label hat aber dann den Begriff „Pounding Metal“ ins Spiel gebracht. Und wir finden, dass es unsere Mucke ganz passend umschreibt!

Hat euch Olli vom Keep it True Festival eigentlich noch nicht kontaktiert ? Immerhin seid ihr ja wie gemacht für einen Auftritt dort....

Auch hier bin ich ganz deiner Meinung! Ich habe den Olli vom Keep It True schon zwei Mal angeschrieben, aber bisher leider noch kein Lebenszeichen von ihm! Schade, aber vielleicht kommt ja noch eine Einladung. Falls du mit ihm bekannt bist könntest du ihn doch mal drauf anhauen! ;-)

Apropos Auftritte, sind welche geplant ? Evtl. Touren sogar oder Summer Festivals? 

Bis jetzt haben wir nur zwei Auftritte fest gebucht: Am 12.04.2014 spielen wir beim TAUNUS METAL FESTIVAL mit vielen interessanten Bands. Und am 04.10.2014 spielen wir in Leipzig im HALLE 5 mit BLIZZARD, WITCHBURNER und zwei regionalen Bands. Weitere Termine folgen noch!

Zurück zum neuen Album. Schreibst du die Texte und die Musik als Bandleader ? Oder seht ihr euch gleichberechtigt und arbeitet alle Songs gemeinsam aus? Backwater sind aufgrund der Historie ja eigentlich deine Band...

Man kann mich wohl schon als Bandleader bezeichnen, aber wir treffen alle die Band betreffenden Entscheidungen gemeinsam! Die Musik zu den 12 Songs auf „Take Extreme Forms“ stammen alle aus meiner Feder, aber man hat hier und da gemeinsamen Feinschliff vorgenommen! Die Texte zu „Burn“ und „The Tale Of Doom“ habe ich geschrieben, welche dann von unserem Sänger Olli nochmal entsprechend zu seinen Gesangs-Linien angepasst wurden. Sonst schreibt grundsätzlich Olli die Texte.

Gibt es bevorzugte Themen über die geschrieben wird, oder kommen die Lyrics aus dem Bauch heraus? Und was nimmt, um den Albumtitel mal zu zitieren, extreme Formen an ? 

Da könnte Olli besser auf deine Frage eingehen aber ich kann sagen, dass er nicht nur Themen auswählt, die in eine Richtung gehen. Er verarbeitet hier alles Mögliche! Fantasie, persönliche Erfahrungen, frei erfundene Geschichten und natürlich Themen, welche uns alle heutzutage beschäftigen, wie Raubbau an der Natur, Materialismus, etc. „Take Extreme Forms“ handelt z.B. von der Beeinflussung durch Werbung oder durch die Medien allgemein und dadurch ausgelöste, übertriebene „Kaufsucht“.

Der Albumtitel ist eine Anspielung auf die allgemein extremen und überzogenen Auswüchse unserer heutigen Gesellschaft!

Seid ihr noch in Side-Projekte involviert oder gilt die ganze Konzentration jetzt Backwater ? 

Keiner von uns hat im Moment irgendwelche Side-Projekte. Wir versuchen alle musikalische und zeitintensive Power und Konzentration in BACKWATER zu investieren.

Wenn ich mir die ersten Reviews ansehe, erntet ihr durchweg positives Feedback. Hättet ihr das in der Form erwartet ? 

Um ehrlich zu sein waren wir etwas unsicher, ob zu viele Vergleiche mit den beiden alten Scheiben gezogen werden. Aber bis jetzt gab es nur ein paar Ausnahmen, welche Hard-Core-mäßig rummäkelten, dass unser neues Material nicht mehr die alten BACKWATER wären!?! Hallo da draußen – das sollte es auch nicht sein, klar soweit?

Deshalb freut es uns um so mehr, dass „Take Extreme Forms“ so gut und vor allem positiv angenommen wird! Das hat schon bei der Suche nach einem Label so angefangen – wir hatten tatsächlich mehrere Zusagen für einen Deal ! Deswegen waren oder sind wir immer noch gespannt auf die Reaktionen der Medien und der Metal-Maniacs!

 

 

Hast du noch Kontakt zu den alten Backwater Recken ? 

Oh ja, Achim zählt heute noch zu meinen engsten Freunden! Wenn auch mit eher spärlichem Kontakt! Aber wir werden wahrscheinlich bis ins Grab unweigerlich und tief im Herzen miteinander verbunden sein! Achim ist auch noch aktiv! Er macht Mucke bei zwei verschiedenen Bands. Aber eher in Richtung Boogie / Rock’n Roll. Zu Cossi (Manfred Cossmann) habe ich leider keinen wirklichen Kontakt mehr. Wir treffen uns ab und an eher zufällig, da wir nach wie vor in der gleichen Gegend wohnen. Cossi hat leider Mitte der 90er seine Drumsticks bis heute an den Nagel gehängt!

Was kommt als nächstes ? Schon Pläne für neues Material oder sonstige Aktivitäten ? 

Im Moment ist „Take Extreme Forms“ noch zu jung, um konkrete, neue Pläne zu schmieden. Vor allem die Live-Präsentation sollte in der nächsten Zeit unsere Hauptaktivität sein. Trotzdem habe ich schon wieder zwei neue Songs am Start! Zumindest kann ich versprechen, dass es nicht wieder ein viertel Jahrhundert bis zur nächsten CD dauern wird, hahahah.

Zum Abschluss noch eine Frage, die mich persönlich interessiert. Wer kam auf die Idee, die Band „Backwater“ zu nennen und was soll der Name bedeuten ? Wenn man nachliest, kann der Name vielerlei Bedeutung haben (totes Wasser, Kaff, verschlafenes Nest).... 

Wir wollten einen Bandnamen, welcher erst mal nur gut klingt. Was wir nicht wollten, sind diese für den Metal typischen, vor Gewalt strotzenden oder unheilvollen Bandnamen! Das war uns damals schon zu langweilig und eintönig! Achim und ich waren und sind beide große Anhänger der Band „STATUS QUO“. Backwater ist einer unserer Lieblingstitel der Band und wir entschieden uns ohne viel über die Bedeutung nachzudenken diesen Titel zu unserem Bandnamen zu machen! Wir haben uns im Nachhinein auf die dauernden Fragen

nach der Bedeutung Umschreibungen zurechtgelegt wie: Totes Wasser, Brackwasser, welches quasi schlafend darauf wartet seine Urgewalt (auf der Bühne) entfesseln zu können, harhahar! Alles Blödsinn, wir wollten eigentlich nur einen Bandnamen, der irgendwie gut klingt und die Bedeutung war uns damals vollkommen egal. Das mag zwar etwas naiv sein, aber wenn ich mir die Namen, Cover oder Texte vieler Metal-Bands ansehe, stehen wir da nicht ganz alleine da ;-)

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir...

Ich möchte mich bei Dir für dieses Interview bedanken und natürlich auch für die positive Review bei METALFIELDS! Coole Scheiße  Ebenso möchte ich mich bei allen da draußen bedanken, die BACKWATER unterstützten und sich ihre Meinung selbst bilden! Thanx a lot, see ya - cheers!!!

 

Review by Kerbinator


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